Silodenken am Arbeitsplatz überwinden
Was ist genau mit Silodenken gemeint? Welche Ursachen hat das Phänomen – und welche Lösungen gibt es? Dazu 9 wertvolle Tipps, die HR-Managern helfen, um Silodenken zu überwinden.

Silodenken – ein Thema, das heute in aller Munde ist. Denn für viele etablierte Unternehmen stellt es ein massives Problem dar. Wir bieten einen Überblick und 9 wertvolle Tipps.
Was ist Silodenken?
Der Begriff Silodenken kommt aus dem Englischen (Silo Thinking, Silo Mentality) und bezeichnet die Abschottung von Abteilungen und Funktionen.
Ein Silo ist ein hermetisch abgeriegelter Speicher ohne Fenster oder andere Verbindungen zur Außenwelt. So wie jede Getreide- oder Futtersorte separat in ihrem Silo eingelagert ist, so arbeiten auch die „Silos“ eines Unternehmens vor sich hin – ohne Kommunikation und Austausch. Die Mitarbeiter schmoren im eigenen Saft, Prozesse werden nicht abgestimmt, vielleicht sogar doppelt durchgeführt, schlimmstenfalls gar in eine entgegengesetzte Richtung vorangetrieben als im Silo nebenan.
Für HR-Profis sind das Alarmsignale, denn mit so einem Ansatz kann sich das produktive Potenzial der Ressource Mensch nicht wirklich entfalten. Cross-funktionaler Austausch und ein strategischer Blick fürs Ganze sind gerade in der Digital-Ära von kaum zu überschätzender Bedeutung – doch Silodenken steht all dem im Weg.
Silodenken: Ursachen und Auswirkungen in einer Organisation
Silodenken ist eigentlich die Folge einer durchaus produktiven Sache, nämlich der Arbeitsteilung. Nur durch die Spezialisierung der Mitarbeiter und Abteilungen konnte schließlich historisch die enorme Effizienz der modernen Wirtschaft erreicht werden.
Im Silodenken verkehrt sich das aber ins Gegenteil: Effizienz wird ab einem gewissen Grad zu Ineffizienz. Spezialisierung wird zum Tunnelblick, der über den Tellerrand der eigenen Abteilung nicht mehr hinausreicht. Gefördert wird das noch durch die typischen Karrieren vieler Mitarbeiter, die in ihrem Berufsleben immer nur innerhalb einer Funktion verbleiben. Weitere Ursachen können in einer geographischen Trennung verschiedener Unternehmensteile oder -töchter liegen. Silodenken kann schließlich auch entstehen, wenn ein akquiriertes Unternehmen mit eigener Kultur nicht entsprechend integriert wird. Die Folgen sind sehr negativ – und oft für HR-Profis gar nicht so einfach zu fassen.
Die enge Interaktion der Funktionen wird heute in vielen Bereichen immer wichtiger, etwa zwischen Business und IT. Silodenken behindert jedoch das Teilen von Informationen. Cross-funktionales Wissen kann nicht entstehen. Das sind schlechte Bedingungen für Diskussionen, Anregungen und Voneinanderlernen. Die hohe Selbstbezogenheit der Silo-„Bewohner“ führt z.B. dazu, dass ein Process Owner nur für den eigenen Bereich optimiert – und dabei die (womöglich negativen!) Auswirkungen auf andere Bereiche ignoriert.
Dies kann aus reiner Unwissenheit geschehen, manchmal aber auch durch kontraproduktive soziale Dynamiken. Antagonismen, potenziell schädliche Konkurrenz oder Eifersüchteleien zwischen den Abteilungen führen schnell dazu, dass das gemeinsame große Ganze aus dem Blick gerät und ein Budgetkonflikt beispielsweise als Ehrensache für die Abteilung ausgefochten wird. Das Ergebnis: Ineffizienz, Innovationsmangel, schlechte Stimmung, nachhaltiger Schaden für die Unternehmenskultur.
9 Tipps gegen Silodenken am Arbeitsplatz für HR-Manager
Das Zwischenfazit liegt auf der Hand: Silodenken ist nicht gut, es sollte vermieden oder abgebaut werden. Und dazu können Personaler eine Menge beitragen, denn immerhin geht es um die Einstellung und das Verhalten der Mitarbeiter. Hier sind neun Tipps, die beim Aufbrechen der Silos helfen:
- Am Leadership ansetzen
Um Silodenken zu verhindern, sollte die Konkurrenz zwischen den Funktionen auf ein gesundes Maß minimiert werden. Das beginnt beim Führungsteam: Nur wenn auch auf der höchsten Ebene ein (spürbar) kooperativer Geist herrscht, hat die cross-funktionale Interaktion eine unternehmensweite Chance. - Gemeinsames Ziel schaffen
Vision, Mission Statement, Purpose oder Unternehmensphilosophie: Wie immer man es auch nennt, die Formulierung einer gemeinsamen Aufgabe hilft allen Mitarbeitern bei der Orientierung und öffnet den Blick fürs Ganze. Wichtig ist dabei natürlich, dass die Vision dann auch gelebt wird. - Geographische Einheit der Teams beachten
Räumliche Trennung ist ein harter analoger Faktor, der auch im Zeitalter der Digitalisierung Silodenken fördern kann. Wenn die Distanz nicht überwunden werden kann, sollten alternative technologische Lösungen eingesetzt werden (siehe Tipp 9). - End-to-end Process Ownership einführen
Durch eine passende organisatorische Aufstellung sollte dafür gesorgt werden, dass jeder Process Owner den kompletten Prozess end-to-end im Auge hat – also auch im Hinblick auf das, was außerhalb der eigenen Abteilung geschieht. - Cross-funktionale Teams gründen
Je nach Thema bietet es sich an, Teams mit Vertretern unterschiedlicher Funktionen zu besetzen. Ein klassischer Fall sind solche IT-Projekte, deren Erfolg vom Input der Business-Seite abhängt. Wenn die Rollen dabei klar definiert sind, führen cross-funktionale Ansätze zu agileren, kreativeren und produktiveren Teams. Ergänzend können auch Austauschprojekte und -formate eingeführt werden (z.B. zeitlich begrenzte Arbeitseinsätze in anderen Bereichen). - Cross-funktionale Incentivierungen schaffen
Organisatorische Veränderungen sollten auch durch entsprechende Anreizsetzung unterfüttert werden. - Gemeinsame Sprache sprechen
Unsere Sprache bestimmt unser Denken. Deshalb lohnt es sich auch beim Thema Silodenken, über sprachliche Kommunikationshürden und Missverständnisse zu reflektieren, beispielsweise in Workshops oder Schulungen. Zahlen orientierte Fachexperten sollten versuchen, sich in die Perspektive des „Laien“ hineinzudenken. Durch die formulierte Unternehmensvision steht eine „Sprache“ bereit, die für alle Mitarbeiter anschlussfähig ist und eine Plattform für den Austausch bilden kann. - Einheitliche Technologie einsetzen
Wenn in verschiedenen Bereichen verschiedene, inkompatible Technologien eingesetzt werden, ist das viel mehr als nur ein technisches Problem. Gemeinsame Datenplattformen und ähnliche Ansätze (Data Lake) schaffen demgegenüber die technologische Voraussetzung für Interaktion. - Kommunikative Technologie einsetzen
Darüber hinaus sollte auch der Einsatz von spezialisierten digitalen Enablern für die Kommunikation erwogen werden. Wissensplattformen, interne soziale Netzwerke und andere Tools können dabei helfen, das cross-funktionale Employee Engagement gezielt zu stärken.
Raus aus dem Silo: Der Weg nach vorn
Silodenken kann sich in allen Organisationen bilden, die Abteilungen haben – also so gut wie überall in der Wirtschaft. Für die digitale Wissens-Ökonomie der Zukunft ist es jetzt entscheidend, dass die Mitarbeiter ihre Scheuklappen abnehmen und die Silowände einreißen. Und die HR-Experten im Unternehmen sollten ihnen dabei möglichst proaktiv Hilfestellung geben – im Namen von Kommunikation, Agilität und Innovation. Um für kommunikativ aufgestellte Teams die passend befähigten IT-Kandidaten zu rekrutieren, nutzen Sie unser Angebot spezialisierter Personaldienstleistungen.