Umgang mit Stress am Arbeitsplatz

5 Tipps für HR-Manager

Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Veränderungen und Belastungen: Das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an, die Verdauung wird zurückgefahren. Perfekt, um mit voller Kraft die anstehende Aufgabe zu bewältigen – und sich anschließend wieder zu entspannen.

IT Experte lächelt in die Kamera

Stress am Arbeitsplatz hingegen wird schnell destruktiv, denn er ist in den meisten Fällen chronisch. Wenn die Stressfaktoren über längere Zeit wirken, macht Stress am Arbeitsplatz krank. Psychische wie körperliche Folgen führen zu Fehlzeiten und im gar nicht selten zur Arbeitsunfähigkeit.

Als HR-Manager sollten Sie die psychische Belastung Ihrer Mitarbeitenden gut im Auge behalten und dem Stress ein wirkungsvolles Konzept entgegensetzen. Was im Notfall hilft und welche präventiven Maßnahmen zum Stressabbau beitragen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Stress am Arbeitsplatz: Das sind die häufigsten Gründe

Was Stress verursacht, ist individuell verschieden. Für den einen ist ein Tag voller Meetings ein belastender Faktor, während die andere dabei aufblüht und Höchstleistungen erbringt. Es gibt jedoch einige Situationen, die bei nahezu jedem Menschen eine Stressreaktion auslösen:

Mangelhafte Qualifikation und Überforderung

„Ich schaffe es nicht!“ – wer das denkt, ist akut überfordert. Entweder sind die To-dos schlicht zu zahlreich und gar nicht in der vorgegebenen Zeit zu bewältigen. Oder die Überlastung ist subjektiv: Das Telefon klingelt und alle fünf Sekunden pingt das E-Mail-Programm, während sich die Aufgaben auf dem Schreibtisch stapeln. Schlechte oder fehlende Qualifikation für bestimmte Tätigkeiten verstärkt das Gefühl der Überforderung.

Leistungsdruck

Leistungsdruck in jeder Form lässt den Stresspegel steigen. Der Druck kann dabei intrinsisch aufgrund innerer Glaubenssätze („Ich darf mir keinen Fehler erlauben, sonst werde ich gekündigt!“) oder extrinsisch, etwa durch hohe Erwartungen der Vorgesetzten, entstehen. Leistungsdruck sorgt dafür, dass Arbeitsergebnisse nicht mehr aus der Freude und dem Flow heraus, sondern aus der Ressourcenausbeutung des Einzelnen erwachsen.

Mobbing und soziale Konflikte

Der Mensch als hoch soziales Wesen leidet unter zwischenmenschlichen Konflikten. Am Arbeitsplatz wollen Mitarbeitende sich mit ihren Kollegen wohlfühlen und anerkannt werden. Gleichgültigkeit, Missgunst oder gar gezielte Aggressionen machen jeden Arbeitstag zur Hölle und lösen massiv Stress aus.

Schlechtes Betriebsklima

Ohne Rückhalt im Kollegenkreis, eine gemeinsame Mission und eine (Fehler-)kultur mit verbindenden Werten können Mitarbeitende sich nie völlig entspannten und ihr Potenzial nicht entfalten. Unklares oder unfaires Verhalten der Führungskräfte Manager und Gruppenleiterinnen haben einen großen Einfluss auf das Stressempfinden ihrer Mitarbeitenden. Werden Aufgaben nicht sinnvoll priorisiert oder fühlen sich die Menschen im Unternehmen ihren unberechenbaren Vorgesetzten hilflos ausgeliefert, erfahren sie Stress am Arbeitsplatz.

Veränderungen im Betrieb

Es liegt in unseren Genen, dass wir auf Veränderungen mit Stress reagieren. Dafür reicht am Arbeitsplatz schon ein neuer Prozess oder ein Wechsel des Schreibtischs. Nicht selten löst es eine massive Stressproblematik aus, wenn Mitarbeitende das Arbeitsumfeld wechseln oder das Unternehmen verkauft wird.

Fehlerhafte oder ungenügende Arbeitsmittel und Technik

Idealerweise haben Mitarbeitende alle Arbeitsmittel zur Verfügung, die sie für ihre Aufgaben benötigen. Wenn jedoch das Internet zu langsam ist, die Buchungssoftware ständig abstürzt oder das längst bestellte Headset einfach nicht genehmigt wird, ruft das Frust und Stress hervor.

6 Tipps gegen Stress am Arbeitsplatz

  1. Setzen Sie auf Fortbildungen und Wissensmanagement: Je mehr fachliche und methodische Kompetenz Ihre Mitarbeitenden erwerben, desto stressfreier können sie ihren Job erledigen.

  2. Etablieren Sie regelmäßige Teambuildingmaßnahmen: Bei gemeinsamen Aktivitäten bildet das Team ein wertschätzendes Beziehungsfeld, das so manchen stressigen Tag abfedert.

  3. Schaffen Sie die technischen Voraussetzungen für einen reibungslosen Workflow: Sparen Sie nicht an der IT-Infrastruktur und stellen Sie Ihrem Team Arbeitsmittel in ausreichender Quantität und Qualität zur Verfügung.

  4. Reduzieren Sie Ablenkungen, z. B. durch ungestörte Fokusphasen: Jeder sollte die Möglichkeit haben, ohne Unterbrechungen an seinen Tasks zu arbeiten. Definieren Sie dafür Silent-Work-Bereiche.

  5. Geben Sie dem Team Sport- und Spielmöglichkeiten: Ein Tischkicker, eine Lounge-Ecke oder ein wöchentlicher Lauftreff gewährleisten den wohltuenden Ausgleich zum Stress am Arbeitsplatz.

  6. Sorgen Sie für institutionalisierte Ansprechpartner bei Stress: Eine interne oder externe Einheit, die sich nur auf die psychische Gesundheit der Angestellten konzentriert, stellt eine attraktive Anlaufstelle für Betroffene dar.

Bewährte Strategien für den Umgang mit Stress am Arbeitsplatz

Sie möchten Ihren Mitarbeitenden im Stressfall helfen? Gehen Sie dabei unbedingt planvoll und überlegt vor. Hektischer Aktionismus würde die Lage für alle Beteiligten eher verschlechtern. Diese Strategie hat sich bewährt:

Für sofortige Entspannung sorgen

Dies ist Ihr erster Schritt, wenn der Stress am Arbeitsplatz schon soweit eskaliert ist, dass kein oder kaum noch Handlungsspielraum mehr besteht. Starke Belastungen erkennen Sie an deutlichen Reaktionen: emotionale Ausbrüche, Apathie, körperliche Reaktionen, signifikante Wesens- und Verhaltensveränderungen sowie konkrete Hilferufe.

In diesen Fällen hilft nur eines: Nehmen Sie sofort den Druck raus. Verteilen Sie dringende Aufgaben um und ermuntern Sie die gestresste Person, eine Pause einzulegen.

  • Geben Sie den Betroffenen für einige Zeit frei. Schicken Sie sie im Notfall nach Hause oder zum Arzt.
  • Vermitteln Sie Zuversicht und Hilfsbereitschaft. Fragen Sie nach, wie Sie konkret unterstützen können.
  • Informieren Sie Kunden und Kollegen.
  • Wertschätzen Sie bisherigen Leistungen und den Einsatz in dieser stressenden Lage.
  • In weniger brisanten Situationen hilft es oft, gemeinsam mit dem Mitarbeitenden die Prioritäten neu festzulegen.

Die Situation offen ansprechen und gemeinsam Lösungen erarbeiten

Bevor irgendetwas verändert werden kann, muss die Situation zunächst offen und ehrlich benannt werden. Das ist wie mit einem Navigationsgerät: Solange Sie Ihre Startposition nicht kennen, kann keine neue Route berechnet werden.

Holen Sie deshalb Betroffene, Kollegen, Vorgesetzte oder den Betriebsrat an einen Tisch. Im besten Fall ziehen Sie Arbeitspsycholog:innen hinzu. Jetzt geht es zunächst darum, zuzuhören, die Lage zu analysieren und Verständnis zu vermitteln. Ermitteln Sie vor allem die schwerwiegendsten Stressoren am Arbeitsplatz.

Im zweiten Schritt sammeln Sie Ideen zur Verbesserung. Häufig wissen die Teamkollegen ganz genau, was sie für ein stressreduziertes Arbeitsumfeld brauchen. Machen Sie einen Schritt-für-Schrittplan und setzen Sie eine Frist, bis wann die ersten Ideen umgesetzt werden.

Binden Sie, wenn möglich, auch die Betroffenen selbst ein. Für gestresste Mitarbeitende ist es eine Wohltat, wenn sie sehen, dass etwas passiert und sich zum Besseren wendet. Dann erleben sie sich nicht länger als machtlos, sondern vielmehr als selbstwirksam.

Langfristige Präventionsmaßnahmen einführen

Noch besser als eine gute Versorgung im Notfall ist es natürlich, wenn Stress am Arbeitsplatz gar nicht erst im belastenden Maße entstehen kann. Das erreichen Sie, indem Sie als HR-Manager vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

  1. Entwickeln Sie ein Feedback-System, über das Mitarbeitende Ihre Bedenken, Schwierigkeiten und Sorgen ohne Angst vor negativen Konsequenzen teilen können. Sinnvoll ist es auch, eine Vertrauensperson pro Abteilung zu definieren.

  2. Stärken Sie das Arbeitsklima: Jede Investition in das Betriebsklima macht sich im Kampf gegen den Stress bezahlt. Kommunizieren Sie gemeinsame Werte, die eine positive Atmosphäre und ein freundschaftliches Miteinander fördern.

  3. Praktizieren Sie Chance Management: Begleiten Sie anstehende Veränderungen immer mit umfassenden Chance Management, das die Menschen im Betrieb auch emotional auffängt.

  4. Helfen Sie Mitarbeitenden dabei, sich selbst zu helfen: Sich zu entspannen, auch wenn die Anforderungen steigen – das ist eine Fähigkeit, die es zu lernen gilt. Machen Sie entsprechende Angebote! Wie wäre es z. B. mit einem Meditationsworkshop oder einer kostenlosen Entspannungs-App?